Alumniportal Aserbaidschan: Interview mit Volker Tschapke

Volker Tschapke

Gründungs- und Ehrenpräsident der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.

Portal: Sehr geehrter Herr Ehrenpräsident Tschapke, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser Gespräch nehmen. Bitte erzählen Sie uns etwas über die Ziele und Aktivitäten der Preußischen Gesellschaft.

Volker Tschapke: Der Verein bewahrt und pflegt preußisch-fridericianisches Gedankengut und preußische Tugenden in Foren, Kolloquien, Podiumsdiskussionen und Einzelgesprächen. Er steht in selbsterwählter Tradition mit der Reformpartei von 1807 gegen allgemeinen Werteverfall und zunehmende Orientierungslosigkeit der Gesellschaft und auf dem Boden des Grundgesetzes. Der Verein will als Initialzündung für eine geistige Erneuerung Deutschlands wirken: Deutschland soll wieder als Vaterland begriffen werden, dem zu dienen größte Ehre ist.

Verantwortung, Pflichtbewusstsein und Toleranz sollen ihren hohen Stellenwert als moralische Kategorien zurückerhalten, Sparsamkeit und Genügsamkeit als erstrebenswerte Tugenden gelten. Intensiv beschäftigt sich der Verein mit der vielhundertjährigen preußisch-deutschen Geschichte, ohne sie auf bestimmte Abschnitte zu reduzieren. In die Traditionspflege nicht mit aufgenommen wird das Militärische, sofern es mit dem Ungeist der Aggression, der Menschenverachtung und des Kadavergehorsams einhergeht. Gepflegt wird die deutsche Kultur, inbegriffen die Sprache Goethes und Schillers.

Portal: Im 19. Jahrhundert kamen schwäbische Siedler nach Aserbaidschan und fanden dort eine neue Heimat. Wie sehen Sie die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Deutschland im Spiegel der gemeinsamen Geschichte?

Volker Tschapke: Das Beispiel der schwäbischen Aussiedler nach Aserbaidschan und deren dortiger großartiger Aufnahme zeigt in sehr guter und geeigneter Weise die große Toleranz Aserbaidschans gegenüber Einwanderern und Minderheiten, so wie es auch ganz prägend für Preußen war. Dies ist bis zum heutigen Tage ein wunderbares Fundament für die große Freundschaft zwischen Aserbaidschan und Deutschland.

Die Verortung Aserbaidschans als Brücke zwischen Ost und West ist ein Erfolgsmodell. Auf dem Wege seiner Geschichte hat Aserbaidschan immer dafür gesorgt, eine sehr ausgewogene interkulturelle und interreligiöse Politik zu verfolgen. Besonders erfreulich ist hierbei die Tatsache, dass diese Politik heute ein festes Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts im unabhängigen Aserbaidschan bildet. In dieser Hinsicht kann man die Entwicklung der Republik Aserbaidschan gut mit der Geschichte des Königreichs Preußen vergleichen. Ich bin davon überzeugt, dass Aserbaidschan sich auf dieser Grundlage aus zukünftig als Motor des Ausgleichs und der internationalen Verständigung profilieren wird.

Portal: Aserbaidschan unterhält traditionell sehr enge Beziehungen zur Türkei. Am 6. April diesen Jahres haben Sie auf Einladung der Royal Ottoman Society in Ludwigshafen über die deutsch-türkischen Beziehungen gesprochen. Welche Probleme gibt es Ihrer Ansicht nach bei der medialen Berichterstattung über beide Länder?

Volker Tschapke: Das ist eine ganz besonders interessante und hochaktuelle Frage. Was die großen Kulturgeschichten beider Länder betrifft, so ist festzustellen, dass die mediale Berichterstattung hierzu, wenn es sie überhaupt gibt, außerordentlich einseitig, darüber hinaus in aller Regel dazu auch noch sehr negativ ist. Die großen und verbindenden Meilensteine beider Kulturgeschichten werden bestenfalls ganz einfach ausgeblendet.

Was möchten Sie, basierend auf Ihren internationalen Erfahrungen in zahlreichen Ländern, der deutschen Außenpolitik mit auf den Weg geben?

In Ergänzung meiner obigen Antwort ist für mich das Naheliegendste, einen Blick in unsere reiche Geschichte, die Tradierung Preußischer Tugenden, Preußischer Außenpolitik im Geiste Friedrich des Großen und Bismarcks in unsere heutige Zeit. Man denke hierzu nur an die große Friedenskonferenz zu Berlin auf Einladung und unter der Leitung Reichskanzler Otto von Bismarcks als ehrlichem Makler der deutschen Interessen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *