Mezamor – Drohendes Unheil

Das armenische Kraftwerk Mezamor mit zwei Druckwasserreaktoren (mit einer Leistung von jeweils 400 Megawatt) wurde zu Sowjetzeiten zwischen 1976 und 1979 erbaut. Es befindet sich 30 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Jerewan – an einem Ort, an dem die arabische und die eurasische Erdplatte aufeinandertreffen und daher eine hohe seismische Aktivität herrscht. 

Mezamor ist eine tickende Zeitbombe. Nur 60 Kilometer nördlich vom Kraftwerk liegt die Stadt Spitak, wo sich im Jahr 1988 ein zerstörerisches Erdbeben mit 25.000 Toten ereignete. Damals konnte man als Vorsichtsmaßnahme beide Reaktoren abschalten. Doch die Region birgt bis heute ein gefährliches seismisches Potential und bedroht neben Armenien auch die benachbarten Länder Türkei, Georgien und Aserbaidschan.

Seit 1995 ist nur ein Reaktor des technisch veralteten Kraftwerks in Betrieb. Trotz mehrmaliger Aufforderungen der Europäischen Union, die Kraftanlage aufgrund unzureichender internationaler Sicherheitsstandards vom Netz zu nehmen, beharrt die armenische Regierung auf deren Nutzung. Damit nicht genug, entschied man sich den Meiler nachrüsten zu lassen. Zu diesem Zweck wurde im Dezember 2014 mit finanzieller Unterstützung Russlands eine Laufzeitverlängerung vereinbart.

Nur 1 Kilometer vom Mezamor entfernt leben in der gleichnamigen Stadt rund 10.000 Menschen. Ein EU-Abgesandter, der 2004 die Gegend besucht hatte, schrieb: „Das Atomkraftwerk ist aufgrund seines Alters und seines Standorts in einer Erdbebenregion eine Gefahr für ganz Europa“.2011 behauptete die National Geographic Society, Mezamor sei heutzutage womöglich das gefährlichste Kernkraftwerk der Welt. 

In der amerikanischen Zeitung „Huffington Post“ wird Armenien wegen der Entscheidung, das marode Kraftwerk weiter zu benutzen, der Zerstäubung von radioaktiven Materialien, des Wachstums von onkologischen Krankheiten unter der Bevölkerung der Grenzgebiete und auch des Versuchs vom Kernwaffenschaffen beschuldigt. Die israelische Zeitung “The Jerusalem Post” erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen Jerewan, indem Armenien als Vermittler im Handel von den radioaktiven Materialien mit den Terroristen bezeichnet wird.

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