Erdbeben von Spitak 1988 und Flugzeugabsturz

Erdbeben von Spitak 1988 und Flugzeugabsturz

Am 7. Dezember 1988 ereignete sich in der Stadt Spitak im Norden Armeniens ein verheerendes Erdbeben der Stärke 6,9 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Mindestens 25.000 Menschen kamen ums Leben. Dutzende Dörfer und Ortschaften wurden verwüstet. Über eine Million Menschen verloren ihr Zuhause.

Nach der Katastrophe trafen aus anderen Teilrepubliken der UdSSR und aus dem Ausland umfangreiche humanitäre Hilfeleistungen ein, um die Erdbebenschäden zu beheben. Auf Hilferuf des benachbarten Landes folgte die sofortige Reaktion aus Aserbaidschan, obwohl zwischen beiden Ländern zu dem Zeitpunkt aufgrund der Vertreibung der Aserbaidschaner aus Armenien angespannte Beziehungen herrschten. Ironischerweise stammte die Mehrheit der aserbaidschanischen Vertriebenen ausgerechnet aus Spitak und Gugark, den zwei armenischen Provinzen, die vom Erdbeben am stärksten betroffen waren.

Innerhalb von 3 Tagen schickte Aserbaidschan mehr als 200 Helfer, 25.000 Tonnen Kraftstoff, 880 Tonnen festes und flüssiges Bitumen, etwa 40.000 Tonnen Heizöl, 330.000 Tonnen Schmieröl, über 120 Schwerfahrzeuge wie Bagger, Buldozer, Kräne und tonnenweise Lebensmittelvorräte in voll beladenen Transportzügen an die betroffene Region.

Ein gut gehütetes Geheimnis der armenischen Seite im Zusammenhang mit dem Erdbeben von Spitak bleibt der Absturz von zwei Transportflugzeugen, die den Betroffenen zu Hilfe eilten.

Am 11. Dezember, drei Tage nach dem Erdbeben, stürzte das Il-76 Frachtflugzeug mit 69 freiwilligen Helfern (davon 50 Aserbaidschaner) und 9 Besatzungsmitgliedern an Bord ab. Die Maschine befand sich auf dem Weg von Baku in die armenische Stadt Gjumri, als sie kurz vor dem Landeanflug in den nahegelegenen Berg prallte und zu Bruch ging.

Nur ein Tag später kam es zu einem weiteren Absturz, diesmal nahe dem Flughafen Swartnoz von Jerewan. Die havarierte Flugmaschine vom Typ Antonow An-12 gehörte der Jugoslawischen Volksarmee an und transportierte Medikamente ins Katastrophengebiet.

In beiden Unglücksfällen wies die armenische Seite jegliche Verantwortung von sich. Als offizielle Ursachen wurden ungünstige klimatische Bedingungen bzw. grobe Fehler der Piloten bei der Landungsaktion genannt. Im Falle von An-12 wird Armenien jedoch verdächtigt, den Flieger vorsätzlich abgeschossen zu haben, weil dieser in der türkischen Hauptstadt Ankara eine Zwischenlandung hatte und man davon ausging, es stamme aus der Türkei.

Die Tatsache ist, dass der mysteriöse Absturz von zwei Transportmaschinen, die auf Hilfsmission ins Erdbebengebiet geschickt wurden, ein äußerst “unangenehmes Thema“ für armenische Politik, Medien und Öffentlichkeit darstellt. Darüber ist bis heute kein einziges Wort gefallen. Im Lichte immenser Schäden, die das Erdbeben angerichtet hat, versucht man, die internationale Aufmerksamkeit nur auf eigene Leidensgeschichte zu lenken und jedwede Erinnerung an beide Unglücksfälle zu verdrängen.

Armenien soll sich seiner Verantwortung stellen und sich um eine umfassende, objektive und längst überfällige Aufklärung beider Flugzeugkatastrophen bemühen.

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