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Chronik eines Massenmordes mit Ansage – die Lehren aus Chodschali

Chronik eines Massenmordes mit Ansage – die Lehren aus Chodschali

Yuri Pompeyev - Mitglied der Russischen Akademie der Naturwissenschaften

Teil ist in iRS-erbe 4/2014 veröffentlicht.

 Zarduscht Alizade erinnert sich in seinem Buch „das Ende der zweiten Republik“ (2006) daran, dass am 25. Februar 1992 morgens der Präsident Aserbaidschans A. Mutalibov seinen Bruder Araz Alizade beauftragte, mit Boris Jelzin zu verhandeln. Bereits am selben Tag, um 18.00 uhr, traf sich Araz mit dem Präsidenten der Russischen Föderation in Moskau. Jelzin hörte ihm mürrisch zu, rief dann den Verteidigungsminister, Marschall Schaposchnikov, an und fragte ihn, ob es wahr sei, dass die russischen Soldaten gemeinsam mit armenischen Guerilla-Kämpfern die aserbaidschanischen Dörfer in Karabach Brandschatzten und die Zivilisten töten würden? Schaposchnikov antwortete, das alles sei Lüge und Verleumdung. Dann bat ihn Araz diese Angaben beim Vorsitzenden des KGB Barannikov nachzuprüfen, der vorher als Stellvertreter des Ministers für Innere Angelegenheiten Aserbaidschans gearbeitet hatte. Barannikov bestätigte, dass alles, was Araz berichtet hatte, wahr sei: es gebe Deserteure aus dem Regiment, die im nationalen Fernsehen gesprochen hätten. Jelzin hörte Barannikov zu und sagte wütend:

„Fahren sie zu Schaposchnikov und klären sie es mit ihm, was zu tun ist. Und den Befehl zum Abzug des Regiments gebe ich ihm gleich…“ nach dem Telefongespräch mit Mutalibov sagte Marschall Schaposchnikov zu Araz:

„Das Regiment bekommt schon heute den Befehl zum Abzug aus Stepanakert“. So entwickelten sich die Ereignisse in Moskau. Laut einem abgefangenen Funkspruch wurde am 25. Februar 1992 um 19.50 Uhr vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Republik Armenien die volle Mobilmachung in ganz Armenien und in allen armenischen Kampformationen erklärt. Dieser Befehl erfolgte gerade mal zwei Stunden nach dem Telefongespräch zwischen Marschall Schaposchnikov und Mutalibov.

Zarduscht Alizade vervollständigt mit nüchternen Worten die finstere Verschwörung: „In derselben Nacht, also in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1992, hatten die armenischen Guerilla-Kämpfer, unterstützt von vielen nicht identifizierten gepanzerten Fahrzeugen, die Stadt Chodschali angegriffen und niedergebrannt“.

In diesem knappen Text ist der Verweis auf die nicht identifizierte Panzertechnik bemerkenswert: tatsächlich wurden nicht nur die Kennzeichen, sondern auch die Chassis der hochmodernen Panzer und Schützenpanzer des russischen Regiments mit weißer Farbe übermalt, die dann wie Geister in der Nacht am Angriff auf die friedliche aserbaidschanische Stadt teilnahmen.

„Über die Stadt brach der Feuerschlag der Artillerie herein“, sagte einer der Soldaten des 366. motorisierten Schützenregiment S. Tangirov, der sich weigerte, sich an der Gewalt zu beteiligen. „Ich werde nie vergessen, was ich erleben musste… die Häuser brannten lichterloh und die Menschen in den Häusern brannten wie Kerzen, noch heute klingen die Schreie der Verwundeten in meinen Ohren, das Stöhnen der Sterbenden… Als die Armenier mit Unterstützung der Militärtechnik in die Stadt eindrangen, flohen wir zusammen mit den Überlebenden Bewohnern, aber unterwegs, vor einem Dorf (später fand ich den Namen des Dorfes heraus – Nakhitschevanik), haben sie wieder auf uns geschossen. Die Menschen hatten nicht erwartet, dass hier auf sie geschossen werden würde. Einer nach dem anderen sank getroffen zu Boden… Viele schwerverletzte und getötete blieben dort liegen, in der nähe des Dorfes. Wir konnten sie nicht wegtragen, weil es wichtiger war, die Lebenden zu retten.“

In dem Buch von Yur Girchenko „die Armee des Staates, den es nicht gibt“ (2002) ist nachzulesen, dass die Operation zur Einnahme von Chodschali nach allen Regeln der operativen Kampfkunst vom 366. Regiment vorbereitet worden war; unter Teilnahme des erfahrenen Stabsoffiziers General N. Ter-Grigoryants. Durchgeführt wurde die Vorerkundung, im Hinterhalt waren die Richtkanoniere. Der endgültige Plan zur Einnahme der Stadt stand am 19.bzw. 20. Februar fest. Dementsprechend verließen am 23. Februar auf Befehl des Regiment-Kommandeurs die Soldaten Chankendi in Kampfausrüstung und bezogen in den armenischen Dörfern Stellung. Die für den Vorstoß bestimmten Kräfte waren das 2. Bataillon unter dem Kommando des Majors Seyran Oganyan und das 3. Bataillon unter dem Kommando des Majors Yevgeni Nabokich, stationiert im Dorf Ballydscha. Nebenan, im dorf Chanachchi, lag das weniger zuverlässige 1. Bataillon, das die Etappe deckte. Unwiderlegbare Fakten, Dokumente sowie Aussagen der Opfer und Zeugen belegen die „kämpferische Zusammenarbeit“ mit den armenischen Mördern und Vergewaltigern bei der Vernichtung von Chodschali und seiner Zivilbevölkerung – tragisch für das aserbaidschanische Volk und beschämend für das 366. Regiment. Dabei klingt das „Alibi“ des Regimentskommandeurs Yu. Zarvigorov zynisch: er persönlich habe nicht einen Zivilisten von Chodschali erschossen, weil er seit dem 23. Februar ständig betrunken und nie nüchtern gewesen sei. Den Befehl für den Sturm auf Chodschali habe seine Frau gegeben, die nach der unmäßigen Trinkerei noch die Kraft dafür gehabt habe. Den Panzereinsatz habe der Ersatzmann des Regimentskommandeurs – in Mancherlei Hinsicht – ein Armenier Namens Jora gelenkt. Das rätsel, zu welchen Zwecken Zarvigorov nach dem Rückzug und nach der Auflösung seiner Militäreinheit zweimal Chankendi besucht hatte, ist nicht schwer zu lösen.

Den 26. und 27. Februar, etwa eineinhalb Tage lang, verbrachte der iranische Außenminister Ali Akbar Velayati mit einer Friedensmission in Gandscha. Er konnte allerdings nicht nach Chankendi fliegen: trotz der am Vorabend erreichten Vereinbarung über die Üaffenruhe wurde die Flugsicherheit für ihn von der armenischen Seite nicht gewährleistet. Dieses vereinbarte Moratorium bedeutete, wie wir sehen werden, das Ende der Existenz von Chodschali. Die Reise von Velayati in den Bereich der nicht erklärten Militäroperationen unterbrach man so bewusst und dreist: die Profikiller aus den Fidaïn und die Soldaten des russischen Sonderregiments bewiesen allen Parteien, dass eine Friedensmission und Vereinbarung für sie kein Hindernis ist.

In Aserbaidschan wurde für drei Tage Trauer erklärt. Die Nachricht wurde im Moskauer Fernsehen heruntergerattert, um gleich danach durch Bilder von halbnackten, Samba tanzenden Schönheiten abgelöst zu werden: In Brasilien war Karneval. Noch einmal wollte man die Üahrheit über die Gräueltaten der armenischen Banditen und ihrer Gönner in Karabach vor der Üelt verbergen, gleichtzeitig wurde noch einer „Menschenrechtlerin“ wie Starovoytova Gelegenheit gegeben, ohne Scham und Gewissen zu erklären: „hunderte getöteten in Chodschali? Ich habe nie davon gehört. Ich habe die offiziellen Informationen darüber, dass nur zwei Menschen dort getötet wurden“.

„In diesen tagen“, so schließen„ die Menschenrechtler“ Igor Babanov und Konstantin Provincial feierlich ihr Buch „Karabach- Krise“ (1992), „war auch zum ersten Mal die aserbaidschanische Bevölkerung Karabachs von groß angelegten Militäraktionen betroffen: obwohl die (armenische – anm. d. Übers.) Selbstverteidigungseinheiten bei der Umzingelung von Chodschali für die friedlichen Bewohner einen Fluchtkorridor aus der Feuerzone errichtet hatten, gelang es nicht, Opfer zu vermeiden“.

In dieser Nacht sprangen die Menschen aus den Häusern in den Schnee, halb angezogen, andere barfuß, in die Kälte des Februars und flohen, um aus dieser Hölle zu entkommen. D er strom der vor Angst verrückt gewordenen Menschen floh vor Neandertalern mit Kalaschnikows. Die Kinder schrieen, wenn sie stürzten und sich Knie und Kopf blutig schlugen. Die Pfade in den felsigen Bergen, tückisch mit schnee und glatteis bedeckt, waren in der dunklen Winternacht nicht erkennbar und nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen gefährlich. Diese katastrophale Flucht aus Chodschali erhielt den Namen „armenischer Korridor des Todes“.

  1. Savelyev, der Leiter der Spionageabwehr einer der russischen Militäreinheiten, die am grausamen Massaker in Chodschali beteiligt waren, schreibt in seinem Buch „die geheimen Informationen“ (2008): „Ich konnte dies nicht alles verschweigen. Ich kann die erschossenen Körper von Männern, Frauen und Kindern, Schwangern und Bräuten nicht vergessen. Mögen die aserbaidschaner mir vergeben, dass ich nicht in der lage war, während dieser Ereignisse etwas gegen das blutige und rücksichtslose Treiben zu unternehmen. Ich sandte nur eine von mir verfasste geheime Nachricht an den Kreml und die Generäle der Hauptverwaltung für die Aufklärung des Verteidigungsministeriums. Ich sagte ihnen: seht, wie die ehre unserer russischen Offiziers getrübt wird.“

Die an dem Völkermord Beteiligten versuchten, dies zu verbergen, und gelang das nicht, Stritten sie es ab, daran beteiligt gewesen zu sein. Armenische Separatisten feuerten auf die Hubschrauber der Journalisten, die an den Ort des Massenmordes flogen. Am 28. Februar 1992 wurde auf eine Gruppe von TV-Journalisten gefeuert, denen es gelungen war, die Leichen von dutzenden von zwei bis 15 Jahre alten Kindern, von Frauen und älteren Menschen zu filmen. Am 2. März 1992 wurde auf eine Gruppe von französischen Journalisten geschossen, während sie das Areal der barbarischen Hinrichtungen verfilmten. Es war nicht einfach, die brutal verstümmelten Leichen zu filmen. Diese Bilder wurden im (Moskauer) Fernsehkanal „Ostankino“ gezeigt.

Die Versuche, das Chodschali – Massaker als „eine unangenehme Episode“ der Militärzeit zu zeigen, dauert bis heute an. Es wird die These verbreitet, dass dabei nur auf die aserbaidschanischen Soldaten geschossen worden sei, die mit Kalaschnikows aus dem „humanitären Korridor“ zu entkommen suchten. Was die leichen von Zivilisten betreffe, seien diese von der aserbaidschanischen Armee selbst auf dem Weg von Chodschali nach Agdam „hingerichtet worden“. Eine ähnliche Position wird von dem ersten russischen Botschafter in Armenien V. P. Stupischin vertretet, einem engen Freund von Zori Balayan (ein nationalistischer, armenischer Schriftsteller – anm. d. Übers.) und einem Liebhaber des Maulbeerschnapses aus Karabach. Er wurde mit der Medaille von „Arzach“ (armenischer Name für Berg-Karabach – anm.)

  1. Übers.) ausgezeichnet, für die „wertvollen Dienste für die „Republik Berg-Karabach“, für die wissenschaftliche Begründung des rechts des „Karabach-Volkes“ auf die Selbstbestimmung und für den großen Beitrag zur Beleuchtung und den Schutz der Rechte der Armenier von Arzach“. In seinem Buch „Meine Mission in Armenien“ (2002) nennt Stupishin die Aserbaidschaner Aazeri-Türken“ und erschreckt Russland mit Pantürkismus. Er bezeichnet die armenische Aggression gegen aserbaidschan als „legitimen Widerstand“. Doch zehn Jahre nach der Tragödie ist der ehemalige Botschafter aufgeschlossener geworden: „Armenien ist unser strategischer verbündeter von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dementsprechend müssen wir auch uns ihm gegenüber verhalten. Sowohl gegenüber Armenien als auch Karabach, denn ohne Karabach gibt es kein unabhängiges und freundliches Armenien. Und ohne sie wird Russland überhaupt keine Position im Südkaukasus haben… wir sind einfach verpflichtet, Karabach unter unsere Gönnerschaft zu nehmen“. Aserbaidschan erlitt beispiellose Verluste durch den armenischen Terrorismus und schloss sich als eines der ersten Länder der Anti-Terror-Allianz an. Doch in den unterlagen der Allianz wurde der armenische Terrorismus niemals erwähnt. Darüber hinaus fehlt seitens der internationalen Gemeinschaft eine klare und präzise Reaktion auf die Aggression Armeniens gegen Aserbaidschan. Das ist die Doppelstrategie. Diese wird definiert durch die bekannte (armenische) Diaspora, die mit ihrer Verzweigung, ihrem Einfluss und ihren Aktivitäten der sizilianischen Mafia überlegen ist.

      Der      prominente     russische      Philosoph       und Politikwissenschaftler S. G. Kara-Murza versucht, das Phänomen des Verschweigens der unmenschlichen Vergeltung zu erklären. In dem Artikel „Eurozentrismus: Ödipuskomplex der Intelligenz“ schreibt er: „Im BergKarabach-Konflikt stellte sich die demokratische Intelligenz (und der Westen) deutlich auf die armenische Seite. Und die armenischen Guerilla-Kämpfer vernichteten die gesamte Bevölkerung der Stadt Chodschali, um den Krieg irreversibel zu machen. Mit völlig neutralen Kommentaren liefen auf den Fernsehschirmen die Bilder von blühenden Bergwiesen, und zwischen den leichen von Frauen und Kindern flanierten Mitglieder der UN-Kommission. Es machte keinen Eindruck auf die demokratische Gesellschaft (und sogar die westliche Presse fand den Fall keiner Erwähnung würdig). Irgendeine Synode geistlicher Führer der Zivilisation reihte nur die Armenier unter die „Sauberen“ ein und nicht (oder noch nicht) die Aserbaidschaner sich den Signalen dieser Führer unterordnend, notierte der russische Intellektuelle in seinem Gehirn den festen Preis für das armenische und aserbaidschanische Blut“.

Das schrecklichste Ergebnis der Chodschali-Tragödie liegt woanders: keiner von denen, die diese Stadt und deren Bewohner vernichtet haben, wurde bis jetzt dafür zur Rechenschaft gezogen.

Man kann John Matlock, dem ehemaligen US-Botschafter in der Sowjetunion, zustimmen, dass „in den meisten teilen der Welt die Menschen gemischt sind. Zwischen ihnen kann man keine klare Linie ziehen und man muss wirklich eine Gesellschaft gründen, in der die Menschen miteinander leben und gegenseitiger respekt  erwachsen kann. Man muss einander nicht unbedingt lieben, aber wir müssen uns gegenseitig respektieren und die Rechte der anderen achten“.

Ich beobachte weiterhin die Entwicklungen in Armenien und Aserbaidschan. Wie sehe ich das Ergebnis des Karabach-Konfliktes? Ich verweise auf zwei weise Urteile. Das erste ist aus dem Koran, Sure 2, 216: „es steht euch zu kämpfen, auch wenn es Ihnen unangenehm ist.“ das zweite Fällte der große georgische Denker I. Javjavadze: „ein ehrlicher Vermittler zwischen den Feinden ist das Gewissen“.

Bevor ich ernsthaft über das Ende des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan nachdenke, möchte ich einige Befürchtungen aussprechen, die mir Angst machen. Man merkt, wie sich der Nationalismus unter den Bedingungen der aktuellen Globalisierung und der europäischen Integration in monoethnischen Enklaven verstärkt, ebenso wie alle anderen Manifestationen bösartiger Tumore eines extremen Nationalismus und der Fremdenfeindlichkeit.

Im Hinblick auf die aktuelle Besetzung des Karabach und der umliegenden Bezirke Aserbaidschans, stelle ich fest, dass diese Okkupation mit keinem Verweis auf bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit zu rechtfertigen ist und die Verbrechen nicht wegzuwaschen sind: hunderttausende Zeugen sind am Leben. Das ist meine Position als Schriftsteller…

Beschämend sind die Methoden und Techniken des totalen Krieges und die Verwandlung der einst blühenden Kreise in eine Wüste und die Vernichtung aller unschuldigen Zivilisten, mit denen man seit Jahrhunderten in Nachbarschaft gelebt hat…

Die stadt Chodschali wurde niedergebrannt und seine Bewohner von armenischen Fidaïn und dem 366. Sonderregiment unter der Führung des Generals Oganyan massakriert. Dies ist wirklich beschämend und schmachvoll!

Ein weiteres Beispiel für eine Schandtat ist die relativ neue Geschichte von der Lieferung moderner russischer Waffen an Armenien, wonach der damalige Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin öffentlich, wie eine Ohrfeige, einen Spitznamen bekam – Viktor Stepanakertovitsch. Der Duma-Abgeordnete, General Lev Rochlin, sagte im Fernsehkanal NTV, dass nach der Veröffentlichung der Informationen über die Lieferungen moderner Waffen nach Armenien im Wert von Milliarden US-dollar, er sich wie im todestrakt fühlte – viel mehr noch als einst im Keller von Grosny im Januar 1995. Zwei Monate danach wurde der Kriegsgeneral Rochlin in seinem Bett tot aufgefunden. Wie jeder politische Mord wurde auch dieser nie aufgeklärt. Ein weiterer enthüller dieser Geschichte, der Minister für GUS-Angelegenheiten Aman Tuleyev wurde von der Regierung ausgewiesen und kehrte nach Kuzbass zurück. Schließlich gab er einer Zeitung ein Interview, in dem er den Waffenhandel als kriminellen Akt bezeichnet: „das ist echter Diebstahl; Waffen wurden im Wert von mehr als eine Milliarde US-dollar verkauft. Ich war immer gegen jeden kriminellen Waffenhandel und wenn wir nicht immer dagegen kämpfen werden, unabhängig davon, wem sie illegal verkauft werden, kann man diesen Prozess nicht mehr handhaben. darüber hinaus möchte ich diese Frage in folgende Richtung entwikkeln: welche strategische Aufgabe lösten wir, als wir die Waffen nach Armenien lieferten? Dass es Aserbaidschan besiegte und ihm Karabach raubte? Aber Aserbaidschan ist genauso eine ehemalige Sowjetrepublik und ein GUS-Mitglied. und dann, hat jemand schon mal daran gedacht, wozu die Waffenlieferungen nach Armenien führen? Zum Frieden? natürlich nicht! Aserbaidschan wird natürlich auch aufgerüstet werden…“

Allerdings wurde diese Geschichte nach dem Tod Rochlins und der Rückkehr Tuleyevs in seine Heimat sofort vertuscht…

Ich sah in Moskau und Sankt Petersburg armenische Flüchtlinge aus Baku, mit vielen von ihnen hatte ich Mitleid. Einige dieser Leute waren und sind unsere Freunde. Aber wie kann man die Lage dieser „Zivil-Flüchtlinge“ mit der Situation der aserbaidschanischen Flüchtlinge vergleichen, die, zumeist mit großen Familien, aus ihrer Heimat vertrieben und aus ihren Häusern in die Kälte geworfen wurden. Die keine Möglichkeit hatten, wenigstens die notwendigen Dinge mitzunehmen und die ziellos flohen, um ihr Leben zu retten. Menschliches Leid in solchem ausmaß kann man vielleicht nur noch in Palästina und in den libanesischen Flüchtlingslagern antreffen. Gott sei dank, dass es nicht gelungen ist, Aserbaidschan in ein neues Palästina zu verwandeln, wenn auch Versuche in diese Richtung bis heute unternommen werden.

Ich bringe sie wieder zurück zum Hauptthema. Auf einer Sitzung des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR im August 1988 fand folgender Dialog zwischen Gorbatschow und dem Akademie-Mitglied (Armeniens) Ambartsumyan statt:

Gorbatschow: „sagen sie mir, wie groß die Zahl der aserbaidschanischen Bevölkerung in Eriwan anfang des (20.) jahrhunderts war?

Ambartsumyan: „am Anfang des Jahrhunderts in Eriwan?“

Gorbatschow: „Ja“.

Ambartsumyan: „schwer zu sagen“.

Gorbatschow: „Sie müssen es wissen. Ich will Sie daran erinnern: 43 Prozent aserbaidschaner waren es zu Beginn des Jahrhunderts in Eriwan. Wie viel Prozent Sserbaidschaner sind jetzt dort?“

Ambartsumyan: „Jetzt sind es sehr wenig. wahrscheinlich ein Prozent“.

Gorbatschow: „Allerdings will ich damit nicht die Armenier der Vertreibung der Aserbaidschaner beschuldigen […].“

Hinter diesem Dialog versteckt sich vieles. Zunächst einmal die Heuchelei Gorbatschows, der ja nicht gezwungen war, die Armenier zu beschuldigen: die Völker kann man nicht für schuldig erklären, aber die Ideologen des Nationalismus und Chauvinismus, die schlimmer sind als die Tschernobyl-Strahlung. und als Folge solcher Provokationen wurde Armenien zum mononationalen Land.

In den Augen der Objektiven internationalen Gemeinschaft wird das Ziel der Befreiung der besetzten aserbaidschanischen Gebiete, die – zu unserer Schande – nicht ohne Beteiligung der russischen Truppen erfolgte, immer notwendiger. Besonders, wenn, wie es zahlreiche Publikationen belegt haben, diese einst blühenden aserbaidschanischen Gebiete in das Ebenbild der Kalahari-Wüste verwandelt wurden. Sersch Sarkisyan muss sich für den Völkermord an

der wehrlosen Zivilbevölkerung von Chodschali antworten. Warten wir darauf mit einer wachen Erinnerung an die durch die hände der Barbaren getöteten. wir werden uns daran erinnern, aber wir werden nicht wehklagen. Amen.

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