Offener Brief an Herrn Philip Fabian

Lieber Herr Fabian,

Hiermit beziehen wir uns auf ihren Artikel vom 29.05.2019 mit dem Titel „Darum verzichtet Ex-BVB-Star Mkhitaryan aufs Finale“. Dieser hat uns als Aserbaidschaner dazu veranlasst, ihnen auf diese Weise unsere Position zukommen zu lassen. Der hetzerfüllte Inhalt ihres Schreibens hat uns ehrlich gesagt nicht gewundert, vor allen Dingen als uns klar wurde, für welche propagandistische Presse sie tätig sind. Das Ausmaß der Heuchelei, gezielte Desinformationen und Meinungsmache, die solche inkompetente Pseudojournalisten wie sie verbreiten, lassen sich mit gesundem Menschenverstand kaum erklären.

Sie beginnen ihre Hetzschrift mit einer nahezu „schockierenden“ Meldung, wonach Mkhitaryan nicht aufs Finale nach Aserbaidschan fliegen darf, weil er Armenier und deshalb dort nicht sicher sei. Ich glaube, es lohnt sich, gerade an ignorante Journalisten ihrer Art zu erinnern, dass diesem Spieler, dessen Leben „böse“ Aserbaidschaner angeblich gefährdeten, auf offizieller Ebene und zwar MEHRMALS höchstmögliche Sicherheitsgarantien zugesichert wurden. Ähnliche Garantien gab die aserbaidschanische Seite, als er noch bei Borussia Dortmund spielte. Sport und Politik sind unterschiedliche Dinge und wir Aserbaidschaner sind Gott sei Dank vernünftig genug, um beide voneinander zu trennen. Dieser Armenier hat sich bewusst dagegen entscheiden, weil er genau wusste, dass Herr Fabian und seinesgleichen diesen Fall als gefundenes Fressen zum Anlass nehmen würden, um den Ruf des „muslimisch-türkischen“ Aserbaidschans in den Augen der Leser zu ruinieren.

Sie betonen, als Armenier dürfe man nicht nach Aserbaidschan einreisen, als wäre dieser Umstand umgekehrt anders gewesen. Seit wann dürfen Aserbaidschaner nach Armenien? Ein aserbaidschanischer Fußballer hätte womöglich auch Ängste um seine Sicherheit in Armenien gehabt, jedoch hätte er anders als Mkhitaryan ein Sportereignis nicht in eine Politshow umgewandelt. Diese Hintergrunddetails bevorzugen sie allerdings „aus uns verständlichen Gründen“ zu verschweigen.

Gehen wir weiter. Die ihnen gebotene Bühne nutzen sie schamlos dazu aus, um über die „brutale Tat“ eines aserischen Axt-Mörders Ramil Safarov zu berichten, ein Thema, was mit dem Sport überhaupt nichts zu tun hat. Welch eine „wunderbare“ Formulierung, um eine Nation in der deutschen Öffentlichkeit als Bastarde darzustellen. Nicht wahr? Gerade Bild-Journalisten können das meisterhaft. Zunächst einmal möchte ihnen helfen, ihr Wissenshorizont ein bisschen zu erweitern: Der Begriff „Aseris“ gibt es nicht. Das ist eine reine Erfindung ihrer armenischen Freunde. Die Rede ist entweder von „Aserbaidschanern“ oder „aserbaidschanischen Türken“. Zweitens verbreiten sie wie im oben angesprochenen Fall gezielt nur die Halbwahrheiten. Safarov, den sie als „Unmensch“ bezeichnen, stammt aus der Bergkarabach-Region und hat Anfang der 1990-er Jahre im Karabachkrieg als Kleinkind mehrere seiner Familienangehörigen verloren. Seine Heimatstadt Cebrayil (googlen sie mal. Hilf ihnen weiter) haben die Armenier in Schutt und Asche gelegt und ihre sämtliche aserbaidschanische Bevölkerung vertrieben. Doch wir wissen, dass sie „aus verständlichen Gründen“ auf diese Details eher pfeifen. Schließlich was explizit den Fall im Jahr 2004 angeht: Der ermordete „unschuldige“ Armenier hatte unmittelbar vor der Tat Safarov vor den Augen anderer anwesender Offiziere aufs Übelste beleidigt und die Flagge seines Landes mit Füßen getreten. Dazu kam noch das Trauma seiner Kindheit. In Aserbaidschan geht die Meinung in der Frage auseinander und sie werden sicherlich eine Mehrheit finden, die diese Tat nicht gutheißt. Und wenn sie sich doch noch entschieden haben, einen Parallelfall über die vermeintliche Armenienfeindlichkeit der Aserbaidschaner aufzugreifen, dann würden wir extra für sie eine Heldentat eines Armeniers vor Augen führen: Varoujan Garabedian. Sagt ihnen dieser Name was? Wahrscheinlich nicht. Ein berühmt-berüchtigter Terrorist der armenischen Terrororganisation ASALA, die in den 1970-er und 80-er Jahren weltweit Dutzende türkische Diplomaten und ihre Familienmitglieder bei unzähligen Attentaten ermordet haben. Garabedian stand hinter der tödlichen Bombenexplosion auf dem Flughafen Paris-Orly 1983, bei der 8 Personen ums Leben kamen. Die französische Regierung begnadigte diesen mehrfachen Mörder 2001 und überstellte ihn nach Armenien, wo er auch heutzutage als nationaler Held gefeiert wird. Haben sie lieber „Journalist“ nun Parallele feststellen können? Safarov ist für sie ein „Axt-Mörder“. Was ist nun im Falle von Garabedian? Auch für diese bewusste Verschwiegenheit haben wie Aserbaidschaner „Verständnis“!

Sie erwähnen außerdem einen gewissen Albert Weiler, der unerlaubt Bergkarabach besucht hat und dem ebenfalls eine Einreise nach Aserbaidschan verwehrt wird. Er ist nicht nur für das Aliyev-Regime, sondern für alle Aserbaidschaner wegen seiner Respektlosigkeit eine „Persona Non-Grata“. Selbst hier sehen wir uns gezwungen, ihnen ein paar Wissenswertes beizubringen: Bergkarabach gehört VÖLKERRECHTLICH zu Aserbaidschan. Das Land, in dem sie, Herr Fabian und Herr Albert Weiler leben, erkennt Bergkarabach als aserbaidschanisches Territorium an, ähnlich wie die gesamte Weltgemeinschaft. Wer hat also diesem Herrn Albert Weiler Recht gegeben, ohne Erlaubnis der aserbaidschanischen Seite ihr Staatsgebiet zu betreten? Es ist die Region, aus der mehr als 1 Million Aserbaidschaner (lesen sie noch einmal – 1 Million) vertrieben wurden, weshalb sie in ihrem Artikel die „mehrheitlich armenisch bewohnte Provinz“ in den Vordergrund stellen und den Okkupationsfakt vorsätzlich komplett ausblenden. Armenier haben Anfang der 1990-er Jahre für die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten gesorgt und erheben selbstverständlich unter diesen Voraussetzungen den Anspruch auf ein „uraltes armenisches Gebiet“. Ein Vergleich: Ukraine sanktioniert die Personen, die unerlaubt Krim besuchen oder Georgien erklärt diejenige, die in Abchasien oder Südossetien waren, zu unerwünschten Personen. Warum kritisieren Herr Fabian und seine Kollegen*innen das Vorgehen dieser Länder nicht? Was für einen Mehrwert haben die Ukraine und Georgien? Unsere Vermutung: Die genannten Länder sind christlich, wir muslimisch! Das ist unwürdig und heuchlerisch, Herr Fabian. Schämen sollten sie sich für die meisten Zeilen. Manchmal fragen wir uns kopfschüttelnd, wie die Journalisten ihrer Art auf die Idee kommen, über die Themen zu schreiben, von denen sie absolut keine Ahnung haben.

Der einzige Punkt, bei dem wir ihnen zustimmen, ist die Lage der Menschenrechte, Korruption, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und die berechtigte Kritik der Aliyev-Regierung. Doch jedes Mal haben wir den Eindruck, dass die Regimekritik oft dazu missbraucht wird, Aserbaidschan als Land, wie in diesem Falle mit der grundlos überzogenen Mkhitaryan-Geschichte an den Pranger zu stellen. Wenn dieser Spieler beschlossen hat, nicht einzureisen, dann ist es halt sein Problem und nicht unser!! Verstehen sie? Warum machen sie daraus ein Riesendrama? Egal in welche Richtung man die Sache dreht, sind Aserbaidschaner am Ende immer schuldig.

Außer infamen und ausgedachten Lügengeschichten über Aserbaidschaner und Türken, mit denen die armenische Diaspora sämtliche westliche Gesellschaften und Medienlandschaft seit Jahrzehnten „infiziert“ hat, verbreiten sie nichts Anderes. Sie und die ganze propagandistische Springer-Presse rechtfertigen, verschweigen und befördern das Verbrechen eines Aggressors, spielen zeitgleich die Ungerechtigkeit, die der Opferseite zuteilwird, herunter. Das ist kein Journalismus, Herr Fabian! Das ist purer Zynismus! Uns bleibt einfach zu hoffen, dass sie und ihre Kollegen*innen sich nächstes Mal besser über die Problematik informieren, bevor sie wieder anfangen, sich zu neuen Hetztiraden gegen Aserbaidschan hinreißen zu lassen. Versuchen sie bitte, jedem Land mit Respekt zu begegnen!

Grüße

Team und Mitglieder von

Alumniportal Aserbaidschan

Alumniportal Aserbaidschan

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